Talente fördern

Besonders wichtig ist uns die Nachwuchsförderung.

 

Dazu vergibt der Verein in jeder Spielzeit den Förderpreis an ein junges Ensemlemitglied, das durch seine darstellerischen Fähigkeiten auf der Bühne besonders überzeugt hat.

 

 

Diese(r) SchauspielerIn wird von den Mitgliedern gewählt und bekommt den Preis bei der

Jahresversammlung überreicht.

 

Laudatio für Samouil Stoyanov zum Anlaß des Förderpreis 2018                            ( Sie können auf die blauen unterstrichenen Texte klicken und kommen direkt zur Inszenierung )

 

Wer Samouil Stoyanov einmal gesehen hat, glaubt, ihn zu kennen. Ein Bild hat man sich schnell gemacht. Man hört den breiten österreichischen Akzent und meint, man habe ihn durchschaut: Ein jovialer Österreicher mit Hang zu Bequemlichkeit, dessen runder Bauch ebenso zu ihm gehört wie seine Gutmütigkeit, kurz: ein angenehmer Zeitgenosse. Hat man Samouil Stoyanov ein wenig besser kennengelernt, wird dieser erste Eindruck vielleicht von einem Staunen ergänzt über die vermeintliche Arglosigkeit, die ihn auszeichnet und die auch in seinen Bühnenfiguren gelegentlich mitschwingt. Seine Überschwänglichkeit, die schon so manche Probe in unerwartete Richtungen geleitet hat, wird man dann vielleicht lächelnd als harmlos abtun.
Das allerdings wäre nicht nur viel zu kurz gegriffen, sondern vor allem ein großer Fehler. Denn mögen diese Eigenschaften auch durchaus zu Samouils Persönlichkeit gehören, so sind sie doch nur ein oberflächlicher Abglanz. Samouil ist zwar von Kopf bis Fuß Österreicher, ist ein fröhlicher Zeitgenosse mit unbefangenem Gemüt – doch da fängt es eigentlich erst an.
Jeder, der schon einmal mit Samouil in der Kantine saß oder auf dem Innenhof stand, kennt nach einigen Minuten Samouils Tänzer-Vergangenheit, weiß von seiner Kindheit in einem Privattheater, wo die Eltern, beide Tänzer, ihren Sohn schon sehr früh einbezogen haben in ihre Bühnenkünste. Im „Kirschgarten“ von Nicolas Stemann hat Samouil so manchem nichtsahnenden Zuschauer die Sprache verschlagen, indem er als junger Diener Firs plötzlich ein tänzerisches Solo hinlegte, das mit Fouettés und Arabesquen einem Tänzer zur Ehre gereicht hätte. Spätestens wenn man noch eine zweite Zigarette mit Samouil raucht, weiß man, dass er sich seinem Geburtsland Bulgarien mindestens genauso verbunden fühlt wie Österreich, wo er aufgewachsen ist, und dass er neben dem breiten Schmäh auch noch Bulgarisch spricht. Wer dem leidenschaftlichen Plauderer Samouil bis zu einer dritten Zigarette zur Seite steht, meint womöglich in Samouil einem ganzen Theater in Personalunion gegenüberzustehen, denn Samouil ist nicht nur Schauspieler und Tänzer, sondern hat auch schon als Bühnenbildner, Dramaturg, Lichttechniker und Autor gearbeitet. Und auch wenn an den Erzählungen über diese Erfahrungen vielleicht einiges seiner spielerischen Lust an der Übertreibung geschuldet ist, weil Samouil immer auch testet, wie durchlässig die Grenzen zwischen Wunsch, Witz und Wirklichkeit sind, so ist doch unbenommen, dass Samouil Stoyanov alles andere als das Stereotyp vom lustigen Österreicher verkörpert. Mit seinen noch nicht einmal 30 Jahren wirkt Samouil manchmal wie ein alter Mann, den nichts mehr im Leben beeindrucken kann, doch schon im nächsten Moment bricht aus ihm eine Unschuld hervor, die einen umhaut. Samouil spielt in Amir Reza Koohestanis „Der Fall Meursault“ den jungen Algerier Harun, der wie traumwandlerisch durch die Ereignisse seines eigenen Lebens wandelt und ebenso unversehens wie unbeabsichtigt einen Mord begeht. Und in der jüngsten Inszenierung desselben Regisseurs, „Die Attentäterin“, spielt er mit derselben Ruhe den abgebrühten Kommissar Moshe, der angesichts seiner Machtlosigkeit gegenüber dem palästinensischen Terror in Verzweiflung abdriftet. Selten liegen Unschuld und Erbarmungslosigkeit so nahe beieinander wie bei Samouil Stoyanov.
Man mag kaum glauben, dass Samouils Geschichte an den Kammerspielen tatsächlich grade mal zweieinhalb Jahre umfasst, so sehr hat er diese Jahre mitgeprägt. Stefan Pucher hat ihn zu seinem Schauspieler erkoren und ihn zuletzt in seiner Feuchtwanger-Adaption „Wartesaal“ die protagonistische Rolle des Komponisten Trautwein anvertraut, dessen Pein im Exil durch Samouil einen innig-verlorenen Ton bekommt. Auch Felix Rothenhäusler oder eben Amir Reza Koohestani haben sich in Samouil Stoyanovs schauspielerische Eigenheit und seine wilde Intensität verliebt. Denn Samouil spielt direkt aus dem Bauch, ohne Netz und doppelten Boden, stülpt sich im Spiel nach außen, grenzenlos, ohne dabei je seine Verletzlichkeit preiszugeben. Man wundert sich, wie ausgerechnet Samouil Stoyanov, der schon mit 25 den Großschauspieler vom Wiener Burgtheater im Blut zu haben schien, ausgerechnet an den mit diesen Traditionen nicht eben auf bestem Fuß stehenden Münchner Kammerspielen von Matthias Lilienthal landen konnte, wo es ihn direkt nach der Ausbildung am Wiener Max Reinhardt Seminar hin verschlagen hat (nicht ohne viele weitere Angebote von bedeutenden Häusern in den Wind zu schlagen). Aber Samouils Neugier und Spielfreude, sein unbedingter Wille, sich einzulassen und Teil von etwas zu werden sowie die Freude, sich hinauszuwagen auf unbekanntes Terrain machen ihn geradezu zu einem Modellschauspieler der Lilienthalschen Kammerspiele, auf den die Burg ruhig noch ein paar Jahre warten soll.


Verein zur Förderung der Münchner Kammerspiele e.V.

Vereinsregister: VR9238, Amtsgericht München

 

Vorsitzender des Vorstands: Peter Haslacher, Stellvertreterin: Sabeth Wallenborn-Honigmann

 

Ansprechpartnerin: Jutta Kopp

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